Signal-/Alarm-/Kommunikationsmittel

Ergänzende Informationen zu den Seiten237-239 im Spitzbergen-Handbuch, 9. Auflage (2009), zum Thema Motorschlitten in Spitzbergen. Verweise im nachfolgenden Text auf Buchseiten beziehen sich ebenfalls auf das Spitzbergen-Handbuch.

 

Neben Funkgeräten (> Spitzbergen-Handbuch, Kapitel Reise-Infos von A bis Z, Post und Telekommunikation) kommen für Notfälle vor allem ein Satelliten-Notsignalsender und Leuchtgeschosse in Frage, um einen der gelegentlich vorüberfliegenden Hubschrauber zu alarmieren.

Signalpistole und Munition:

Angesichts der Menschenleere des Landes sollte ein Leuchtsignal weithin sichtbar sein. Ideal ist hierfür eine große Signalpistole (Kaliber 4 bzw. 26 mm), wie sie auch von Polizei und Streitkräften verwendet wird. Ihre Geschosse steigen bis zu 300 m hoch und sind weithin sichtbar, erfordern allerdings in Deutschland eine Waffenbesitzkarte. Hiermit verglichen sind die frei im Handel erhältlichen Startgeräte mit ihrem bescheidenen 15-mm-Leuchtgeschossen Spielzeug von zweifelhaftem Wert.

Signalmunition kann auch eingesetzt werden, um einen Eisbären zu vertreiben, insbesondere mit einer Munitionssorte, die einen starken Lichtblitz und Knall erzeugt. Geeigneter (rasch einsetzbar, stärkere Wirkung) sind hierfür spezielle Blitz-Knall-Wurfkörper.
Der Vorteil der Signalpistole ist, gerade bei beschränktem mittragbarem Gewicht, ihre Vielseitigkeit sowohl als Alarm- als auch als Abschreckmittel. Darüber hinaus ist Signalmunition unempfindlicher (Nässe, etc.), als die in Spitzbergen verbreiteten Blitz-Knall-Wurfkörper aus imprägnierter Pappe mit Reibfläche.
Das Mitführen eines effektiven Abschreckmittels zusätzlich zum Gewehr ist vorgeschrieben, um Eisbären im Konfliktfall maximale Chancen geben zu können.

Achtung beim Verschießen von Signalmunition aus Signalpistolen: Auch diese Geschosse können für Menschen tödlich sein, da sie sich in den Körper einbrennen und ein entsprechendes Loch sowie schwerste Verbrennungen erzeugen.

Ein gezielter Abwehrschuss auf einen Eisbären mit der Signalpistole ist problematisch, da der starke Rückschlag in Kombination mit der langsamen Fluggeschwindigkeit zu starkem ?Verreißen? des Schusses und entsprechend unsicheren Treffergebnissen führt. Fliegt das Geschoß über den Bären hinweg und detoniert hinter ihm, treibt es ihn möglicherweise zusätzlich in Richtung des Schützen. Falls man das Tier durch einen Fehl- oder Streifschuss provoziert, dauert das Nachladen der Pistole eventuell zu lange.

Nicht nur als Signalmittel, sondern auch zur Abwehr sind die in Globetrotter- oder Surfläden erhältlichen Signalstifte oder auch Signalrevolver mit den aufgesetzten 15-mm-Leuchtgeschossen ungenügend. Ich erinnere mich an zwei knapp 20-jährige Franzosen, die auf dem Zeltplatz noch prahlten, wie sie mit solchen Signalstiften Eisbären vertreiben würden. Unerwartet tauchten sie dann ein paar Tage später in einem unserer Camps verängstigt auf. Sie hatten einen Eisbären gesichtet und, so unmittelbar mit der Realität konfrontiert, dann doch zum Glück kein Vertrauen mehr in ihre ungenügende Sicherheitsausrüstung und brachen am nächsten Tag ihre Tour ab.

In jedem Fall sollte bei Abwehrversuchen mit Signalmitteln zusätzlich das Gewehr schussbereit sein, da sich der Bär keineswegs immer durch Feuer oder Knall beeindrucken lässt - sowohl bei dem Getöteten im Magdalenefjorden als auch bei den niederländischen Forschern und dem tödlichen Bärenangriff auf der Kiepertøya zeigte sich das. Auch von meinen eigenen Versuchen, Eisbären durch Warnschüsse zu vertreiben, kenne ich deren oft eher unwilligen Rückzug. Eine Bärin mit Jungem ließ sich durch mehrere Signalpistolen-Warnschüsse jeweils nur für Sekunden aufhalten, dann setzte sie ihren Vormarsch in unsere Richtung langsam aber unbeirrt fort - zum Glück konnten wir uns in dem Fall per Boot zurückziehen.

Alarmanlage Camp: 

Seitens der norwegischen Behörden wird wegen des Eisbärrisikos eine Sicherung von Lagerplätzen verlangt - entweder durch eine pyrotechnische Alarmanlage oder/und durch menschliche Eisbärenwache.

Die Lagersicherung gegen überraschenden nächtlichen Besuch erfolgt zweckmäßigerweise durch Alarmminen (vom Militär, erzeugen bei Auslösung Knall und glei?end helle Magnesiumflamme) und Stolperdraht. Auch wenn der Bär dadurch nicht abgeschreckt werden sollte, wird er doch etwas gebremst, sodaß man Zeit für Gegenmaßnahmen gewinnt, zumindest jedoch aus dem Schlafsack kommt. Alternative Alarmanlagen, etwa mit elektrischen Taschenalarmen, haben wir auch schon erprobt, allerdings ohne zufriedenstellendes Ergebnis: Unsichere Batterieleistung und rasch zunehmende Fehlalarme durch schnell ausleiernde Splinte sowie allgemeine Empfindlichkeit der Geräte ließen uns bisher immer wieder trotz ihrer Kosten zu den Alarmminen zurückkehren (> Spitzbergen-Handbuch, Kapitel Allgemeine Landeskunde, Eisbärenrisiko).

Das Gewehr allein ist also nicht ausreichend als Absicherung, gerade während der Schlafenszeit, und reihum Wacheschieben ist gerade während einer anstrengenden Tour, auf der man seinen Schlaf braucht, eine Alternative, die man durch eine gute Alarmanlage auf Situationen einschränken kann. Wo mit hoher Wahrscheinlichkeit Bärenbesuch im Lager bevorsteht - beispielsweise, wenn man schon einen sich ums Lager herumtreibenden Bären gesehen hat, empfiehlt sich trotzdem eine zusätzliche Wache.

Satelliten-Notpeilsender

Das vermutlich zuverlässigste Signalgerät für Notfälle, um Hilfe herbeizuholen, allerdings nicht ganz billig (ca. € 700), ist ein Satelliten-Notpeilsender von der Größe eines Handfunkgerätes, mit dem sich ein Signal auslösen lässt, dessen Ausstrahlungsort von in Reichweite stehenden Satelliten bestimmt und gemeldet wird. Diese kleinen Geräte heißen korrekt PLB (personal locator beacon), das dahinter stehende Satellitensystem nennt sich COSPAS-SARSAT. Während traditionelle terrestrische Funkgeräte je nach Frequenz auf direkte Sicht angewiesen oder schwer sind und zusätzlich relativ häufig weiter draußen in der Wildnis keine Verbindung ermöglichen, sind die Satelliten-Notpeilsender nur von einigermaßen freier Sicht zum Himmel abhängig (aus Höhlen, Schluchten, etc. können auch sie eventuell nicht von Satelliten geortet werden) und funktionieren weltweit völlig unabhängig vom Abstand zu irgendwelchen Empfangsanlagen auf der Erde. Damit steht erstmals ein äußerst zuverlässiges Notsignalmittel für abgelegene Regionen zur Verfügung, das mit knapp einem Kilogramm Gewicht und sehr robuster Ausführung (wasserdicht, schlagfest, etc.) im wahrsten Sinne tragbar ist. Ein über solche Strecken taugliches Funkgerät ist dagegen ein großer Kasten ab 6 kg, der zusätzlich eine hohe Antenne benötigt und wesentlich empfindlicher gegen Nässe und Stöße ist.

Allein in Spitzbergen hat sich das COSPAS-SARSAT System in jedem der letzten Jahre schon in Dutzenden Fällen bewährt.

Der Nachteil: das Gerät gibt nur ein Peilsignal ab, das von den Satelliten geortet und weitergemeldet wird. Es ist damit also weder das Versenden detaillierterer Notrufe möglich, noch eine Bestätigung, daß das Signal überhaupt empfangen worden ist. Bis zur Ankunft des Rettungsdienstes weiß der Absender also nicht, ob überhaupt Hilfe unterwegs ist. Und der Rettungsdienst weiß nichts darüber, was ihn ggf. am Zielpunkt seines Einsatzes erwartet.
Insofern ist der Satelliten-Notpeilsender sehr wertvoll für Bereiche, aus denen anders keine Notfallmeldung abgesetzt werden kann - in Bereichen, wo Funk- oder Telefonkontaktaufnahme möglich ist, sind diese Wege jedoch oft flexibler und schneller, zumal sie schon vor Eintreffen von Hilfe auch aus der Ferne Rat vermitteln können.

Keine Rettungsgarantie, aber mehr Leichtsinn: Es häufen sich Fälle, wo das Mitführen eines solchen Gerätes zu mehr Risikobereitschaft bei Touren geführt hat: im Notfall kann man ja an jedem beliebigen Punkt den Notpeilsender auslösen. Übersehen wird dabei, daß selbst bei empfangenem Notsignal eine Rettung keineswegs sicher ist: unter schlechten Wetterbedingungen kann eventuell auch der Rettungsdienst tagelang den Notfallort nicht erreichen.Selbst unter guten Bedingungen muß man mit 2 Stunden zwischen Auslösen des Notpeilsenders und Eintreffen des Rettungshubschraubers rechnen (bei größerem Abstand zu dessen Basis dauert es entprechend länger). In hochakuten Notfällen kann das zu spät sein - hier ist die Gruppe oder der Einzelne draußen in der Wildnis weiterhin ganz auf sich angewiesen, zumal er sich mit dem Notpeilsender auch keinen Rat, etc., wie mit einem Funkgerät oder Telefon holen kann.

Neue Frequenz seit 1993: 406 MHz auch für Einsatz an Land.
Achtung: die bis 2007 übliche zweite Frequenz 121.5 MHz für Notpeilsender, für die es im Ausrüstungshandel billige Geräte gab, ist nicht mehr allgemein in Gebrauch und insofern sind auf dieser Frequenz sendende Geräte weitgehend nutzlos geworden !

Empfehlung: Notpeilsender vorzugsweise mit integriertem GPS-Teil
Bei den billigeren Geräten müssen für die Positionsbestimmung mehrere Satelliten gleichzeitig im Empfangsbereich sein; dies kann erstens eventuell über eine Stunde dauern und zweitens ist die geortete Position oft nur auf einen Kilometer genau - etwa bei Sicht nahe Null in einem Schneesturm in unebenem Gelände ist dies eine manchmal zu geringe Genauigkeit, die einen Sucherfolg verhindern kann. Bessere - und dadurch teurere Geräte haben daher einen eingebauten GPS-Teil, der nach Aktivierung des Senders zunächst dessen Position ermittelt, und diese wird dann in das Peilsignal integriert, sodaß der Rettungsstelle sofort nach Eingang der Signalmeldung auch eine meist auf wenige Meter genaue Position vorliegt.

Für Touren auf Svalbard außerhalb von Verwaltungsgebiet 10 ist das Mitführen eines korrekt registrierten 406 MHz PLBs Vorschrift. In diesen Regionen kann es zusätzlich durch ein (Satelliten-)Telefon ergänzt werden, das jedoch nicht als Ersatz für den Notpeilsender akzeptiert wird. Verwaltungsgebiet 10: siehe Kartenskizze auf Seite 208 (Spitzbergen Handbuch, 9. Auflage).

Ein für Spitzbergen akzeptierter Notpeilsender muß offiziell registriert sein, damit bei Empfang eines von ihm ausgehenden Notsignals bereits möglichst Informationen eingeholt werden können (Anruf durch den Rettungsdienst beim Eigentümer des Geräts, eventuell Rückgriff auf beim Sysselmann hinterlassene Informationen zu der Gruppe, die mit dem Gerät unterwegs ist, etc.).
Bei Billigimporten solcher Geräte fehlt oft die erforderliche offizielle Registrierung auf den Eigentümer. Eine fehlende Registrierung ist erstens in Spitzbergen nicht erlaubt (wird normalerweise im Rahmen der Tourgenehmigung geprüft) und verzögert zweitens eventuell einen Hilfseinsatz, da der Rettungsdienst angesichts häufiger Falschalarme und für zusätzliche Informationen zum vorliegenden Notfall zunächst einmal bei Alarmeingang die Registrierdaten prüft und mit dort hinterlegten Telefonnummern Kontakt sucht. Für die Registrierung und für die Aufrechterhaltung der Registrierung fallen je nach zuständiger Behörde einmalige oder/und jährliche Gebühren an.

Klare Empfehlung daher: Korrekt registrierter Satelliten-Notpeilsender nur mit (zumindest auch) Sendefrequenz 406 MHz und möglichst eingebauter GPS-Einheit, die dem Rettungsdienst eine wesentlich genauere Position des aktivierten Senders in deutlich kürzerer Zeit (ca. 10 Min. nach Aktivierung) liefert - dazu Hinterlegen von Informationen zur Tour und den Teilnehmern beim Sysselmann.

Aktuelle Hersteller und Modelle mit eingebautem GPS-Teil - Preisorientierung: ca. € 800 :

• McMurdo Fastfind Plus GPS PLBwww.mcmurdo.co.uk , > outdoor, > PLB

• ACR Electronics TerraFix 406 I/O GPS (oder Aquafix 406 I/O GPS) mit eingebautem GPS, ACR Bestellnummer: 2798.4 bzw. 2797.4, www.acrelectronics.com/terrafix/. Das Modell ACR TerraFix 406 I/O GPS benutzen wir für unsere eigenen weiteren Trekkingtouren auf Spitzbergen, wobei der Unterschied zwischen TerraFix und AquaFix letztlich nur die Farbe ist. Wichtig ist das ?I/O? bzw. die Modellnummern ACR 2798.4 bzw. 2797.4 - nur diese Modelle haben ein integriertes GPS, während die genau gleich aussehenden Modelle nur mit ?I? im Modellnamen bzw. den entsprechenden Bestellnummern 2798.2 bzw. 2797.2 lediglich ein Interface zum Anschluss eines externen GPS bieten, was im Notfall eventuell kompliziert sein könnte.

Satellitentelefon, IRIDIUM

Der Nachteil der Notsignalsender ist, dass mit ihnen nicht beliebige Nachrichten übermittelt werden können, sondern ihr Einsatz dem Prinzip ?Alles oder Nichts? - gro?e Rettungsaktion oder gar nichts - folgt. Ein französischer Reiseleiter bezahlte auf Spitzbergen eine saftige Strafe, weil er den Notsignalsender auslöste, nachdem die Abholung seiner Gruppe zum geplanten Termin nicht klappte und dadurch das Verpassen der Flugverbindung seiner Gäste von Spitzbergen nach Hause drohte. Für solche ?berraschungen und minderschweren Fälle, aber auch für Kompliziertes haben die neuen Satellitentelefone wie Iridium im handlichen Taschenformat eindeutige Vorteile.

Iridium ist das einzige Satelliten-Telefonsystem, das so weit nördlich zuverlässig wirkt, da nur seine Satelliten im Gegensatz zu den Konkurrenzsystemen auf fast polaren Umlaufbahnen fliegen und damit in Reichweite sind. Ein Satelliten-Notpeilsender ist technisch robuster und weniger anfällig, kann dafür aber keine detaillierten Meldungen weitergeben. Wegen der geringeren technischen Zuverlässigkeit eines Satellitentelefons wird ein solches nur als Ergänzung zu einem PLB, jedoch nicht als Ersatz dafür bei Touren au?erhalb von Verwaltungsgebiet 10 vom Sysselmann akzeptiert. Ein zusätzliches Satellitentelefon ist jedoch zur Lösung kleinerer Probleme nützlich, ebenso zur eventuellen näheren Koordination mit der Rettungsorganisation in einem Notfall.

Mobiltelefon

Siehe hierzu im Spitzbergen-Handbuch (9.Auflage) den entsprechenden Teil auf Seite 238-239.


Letzte Änderung: 12.09.2009