Ergänzende Informationen zu den Seiten 206 im Spitzbergen-Handbuch, 9. Auflage (2009), zum Thema Tourgenehmigung in Spitzbergen. Verweise im nachfolgenden Text auf Buchseiten beziehen sich ebenfalls auf das Spitzbergen-Handbuch.

Individualreisende müssen sich ihre geplanten Aktivitäten (auch nichttouristische) außerhalb des sogenannten "Verwaltungsgebietes 10" (hellgraue Flächen auf der Kartenskizze Seite 207, Spitzbergen Handbuch 9. Auflage) genehmigen lassen. Zum Antrag gehören: Genaue Planbeschreibung (Route, Terminplanung, Ausrüstung, Teilnehmer, Erfahrung etc.) an den Sysselmann mit Bitte um Genehmigung und Angabe der erforderlichen Deckungssumme der > Versicherung, dann Planbeschreibung und genannte Deckungssumme sowie das von der Versicherung zu bestätigende Schreiben, dass die Versicherung den Anforderungen des Sysselmanns entspricht, bei der Versicherungsgesellschaft einreichen, Versicherung vor Reisebeginn unterschreiben und bezahlen, Beleg hierfür ebenfalls an Sysselmann.

Es haben in den letzten Jahren mehrfach Privatgruppen in Longyearbyen festgesessen, weil sie diese Dinge erst vor Ort klären wollten. Dies kostet Zeit und Nerven und erschwert bzw. verteuert auch den Versicherungsabschluss, da solche ?Last-minute-Anträge? von der Versicherungsgesellschaft und evtl. auch vom Sysselmann mit gewisser Berechtigung als Hinweis auf eine unseriöse Vorbereitung und damit als höheres Risiko für die Versicherung (höhere Unglückswahrscheinlichkeit) interpretiert werden. Die genehmigungs- und versicherungspflichtigen Gebiete (alles außerhalb von "Verwaltungsgebiet 10") für Aktivitäten können der Kartenskizze auf Seite 207 (Verwaltungsgebiet 10: hellgraue Bereiche) entnommen werden.
Frei von diesen Pflichten ist nur der siedlungsnahe Bereich, das sogenannte ?Verwaltungsgebiet 10?
. Verwaltungsgebiet 10 schließt also die Annäherung an die gesamte Ostküste und den Wijdefjord ebenso aus, wie die gesamte Nordseite des Isfjords von seiner Mündung bis zum Dicksonfluss. Ebenfalls eingetragen in der Karte sind die neuen motorschlittenfreien Bereiche für den Winter als stilles Refugium für Skiläufer und Hundeschlitten in der Nähe Longyearbyens. Bitte die zusätzlichen Einschränkungen durch Naturschutzgebiete, Pflanzen- und Vogelschutzgebiete sowie Denkmalschutz beachten!

Aktuell wird die Tourismusvorschrift überarbeitet, erneut in Richtung Verschärfung aufgrund entsprechender Erfahrungen. Unter anderem soll der Sysselmannen das Recht bekommen, auch im ?Gebiet 10? Aktivitäten zu stoppen, die ein hohes Risiko für die Beteiligten beinhalten. Ausgelöst wurde auch dieser Schritt durch verschiedene leichtsinnige Individualreisende - etwa ein Pärchen, das mit seiner zweijährigen Tochter auf große Kajaktour einschließlich weiter Strecken ohne Landemöglichkeit zog, nicht bedenkend, dass ein Kleinkind mit seinem kleinen Körper auch in guter Schutzkleidung rasch in Problemsituationen an Unterkühlung sterben kann. Oder ein deutscher Vater mit seinen zwei minderjährigen Kindern, der mit diesen, jedoch ohne größere Eiserfahrung, eine Tour über weite Strecken auf teils problematischen Gletschern trotz Abratens gleich zweimal in Angriff nahm und dabei (vielleicht glücklicherweise) jeweils ziemlich am Anfang aufgeben musste: mit gebrochenem Bein im ersten Jahr (wir hatten dann die psychisch angeknacksten Kinder auf dem Campingplatz), bzw. wegen Ausrüstungsverlustes im Gelände im zweiten Jahr. Auf großen schneebedeckten Gletscherflächen, wo die Konzentration mit der Zeit sinkt, ist die wechselseitige wirkungsvolle Seilsicherung eines Erwachsenen mit zwei deutlich leichteren Kindern, noch dazu mit wenig Erfahrung, kaum denkbar und folglich das Risiko eines gegenseitigen Hineinreißens in eine Spalte entsprechend groß.

Achtung: Reiseveranstalter müssen sich sämtliche Programme im Voraus genehmigen lassen (auch innerhalb von Verwaltungsgebiet 10).

Ebenso sind länger an einem Platz stehende Zeltlager genehmigungspflichtig.

 

Hier noch mal in Stichpunkten die grundlegenden Erfordernisse für ein Projekt auf Spitzbergen abseits der Siedlungen:


Generell (alle Teile Spitzbergens):

• Vollständige, angemessene Ausrüstung, einschließlich Reserven für erhebliche Verzögerungen und Wettereinbrüche
• Eisbären-Sicherung: Großkalibriges Gewehr plus Signalpistole oder Blitz-Knall-Wurfkörper, plus pyrotechnische Stolperdraht-Alarmanlage für Zeltcamps, plus ausreichend Gewehr- und Signalmunition.
• Kenntnis der Vorschriften zu Umweltschutz, Denkmalschutz und Aufenthalt auf Spitzbergen, einschlie?lich der speziell für die geplante Route zu beachtenden Dinge (Naturschutzgebiete, Kulturdenkmäler, etc.).
Anzuraten ist in jedem Fall eine Registrierung der Tour und Mitnahme von geeigneten Notrufmitteln auch in den siedlungsnäheren Bereichen, wo dies nicht Vorschrift ist.


Auß
erhalb des siedlungsnahen ?Verwaltungsgebietes 10? zusätzlich:

• Genehmigung durch den Sysselmannen, damit verbunden: den Anforderungen des Sysselmanns entsprechende Versicherung (oder Bankgarantie) für Such- und Bergungskosten.
• Mitführen eines ordnungsgemäß registrierten Satelliten-Notpeilsenders (PLB) 406 MHz (Genehmigungsvoraussetzung einschließlich Angabe der Registrierungsnummer des Gerätes, daher frühzeitig klären) > auch Signalmittel.


Letzte Änderung: 12.09.2009