Transporte innerhalb Spitzbergens

Ergänzende Informationen zu den Seiten 206-208 im Spitzbergen-Handbuch, 9. Auflage (2009), zum Thema Transporte in Spitzbergen. Verweise im nachfolgenden Text auf Buchseiten beziehen sich ebenfalls auf das Spitzbergen-Handbuch.

 
Flugzeug und Helikopter:
Das vielseitigste Transportmittel - auß
er für sehr große Lasten - ist in der arktischen Wildnis der Hubschrauber. In Longyearbyen sind ganzjährig zwei davon stationiert, ein mittlerer: Eurocopter [O 0192] für ca. 8 Personen oder entsprechende Last (Charter ca. NOK 17.000 pro Std.) und ein großer: Superpuma für ca. 15 Personen oder entsprechende Last [O 0193], modernst für Such- und Rettungsaktionen ausgerüstet, Charter ca. NOK 35.000 pro Stunde. Der Superpuma ist in der Regel Bereitschaftshubschrauber für Notfälle, also für andere Zwecke nur sehr begrenzt verfügbar. Sightseeingflüge und Landungen außerhalb der festen Landeplätze der Siedlungen sind im Prinzip verboten, also nur mit Ausnahmegenehmigung, z.B. in begründeten Fällen für Forschung. Die Hubschrauber werden zwar von einer Privatfirma betrieben, beide sind jedoch ganzjährig durch den Sysselmannen reserviert, sodass ihre Verfügbarkeit in jedem Falle von dessen Genehmigung abhängt. Die 1 bis 2 russischen Hubschrauber (MilMi-8, in Barentsburg stationiert) [O 0194] sind nur für die betrieblichen Bedürfnisse der russischen Bergwerksgesellschaft und der russischen Forschung zugelassen und dürfen keine sonstigen kommerziellen Aufträge annehmen - zusätzlich zur dann immer noch zu klärenden Genehmigung des einzelnen Fluges durch den Sysselmannen.

Neben den Hubschraubern sind auf dem Flughafen Longyearbyen noch zwei Turboprop-Maschinen (bisher: Dornier Do-228) [0195] stationiert, die die privaten Werksflughäfen von Sveagruva und Ny Ålesund bedienen (hierzu: Seiten und zusätzlich auch Überwachungsflüge für die Küstenwache bzw. den Sysselmannen machen.

Touristische Rundflüge und touristische Landungen im Gelände
mit Luftfahrzeugen sind grundsätzlich verboten. Möglich ist lediglich die Buchung eines Hin- und Rückflugs nach Ny Å
lesund (siehe auch Seite 384) - bei schönem Wetter kurzfristig, wenn Plätze frei sind, empfehlenswert (ca. zwei- bis dreimal pro Woche, pro Strecke ca. NOK 1.500). Auf der Landepiste von Ny Ålesund [O 0196] ist der Stopp (ca. 30 Min.) für einen Ausflug in den Ort vor dem Rückflug in der Regel zu kurz, jedoch lohnt sich der Flug bei gutem Wetter hinsichtlich der Sicht auf die phantastische Fjord-, Berg- und Gletscherwildnis [O 0197]. Touristische Flüge nach Sveagruva sind ohne Einladung der Kohlegesellschaft nicht möglich (siehe auch Seite 389).

 

Schiffe:
Siehe zu Schiffsreisen auch Seiten 206-208 und 418-423.

Im Sommer werden von Juni bis September bis zu ca. 14 kleine Boote/Motorschiffe und 1 bis 2 Motorsegler
in Spitzbergens Gewässern eingesetzt - überwiegend fest verchartert an die Reiseveranstalter bzw. an Forschungsprojekte. Es gibt zwischen den Orten keinen garantierten Linienverkehr nach Fahrplan, allerdings wird von ca. Ende Juni bis Ende August versucht, mehrmals pro Woche genügend Teilnehmer für Tagesfahrten innerhalb des Isfjorden zu finden (> Exkursionen). Bei entsprechenden Ortsaufenthaltsangeboten mit Veranstaltern sind in der Regel ein bis zwei solcher Fahrten bereits mit eingeschlossen, hier ist das Risiko eines kurzfristigen Ausfalls mangels ausreichender Teilnehmer geringer, da der Veranstalter die Buchungssituation frühzeitiger überblickt und das Programm entsprechend umstellen kann.

Zu Zielen außerhalb des Isfjorden sind Individualtouristen ohne vorherige Buchung vor Ort auf zufällige Restkapazitäten auf den von Veranstaltern für ihre Gruppen gecharterten Booten angewiesen, wobei diese 3 bis 14 Tage unterwegs sind. Eine Reservierung von Plätzen an Bord dieser Fahrzeuge länger im Voraus für Transporte zu/von irgendwelchen Punkten an der vermutlichen Route ist ein teures Unterfangen, da die Veranstalter begreiflicherweise lieber versuchen, komplette Fahrten zu verkaufen als Plätze nur für Teilstrecken zu blockieren.
Wenn Ihr Projekt solche Transporte erfordert, sollten Sie sich vor Verhandlungen über folgende Punkte klar sein:
• Wenig Rabatt für Teilstrecken: Der Veranstalter wird für Teilstreckenpassagen bei diesen gut gebuchten Reisen, die in kurzer Saison die Kosten auch des Schiffes verdienen müssen, ungern einen Platz blockieren, der dann für die Reststrecke ungenutzt bleibt - au?
er es wird fast der vollständige normale Preis bezahlt. In diesem Zusammenhang wird oft nach ?Deckspassagen? gefragt, worauf sich die Veranstalter aber kaum einlassen: Zum einen haben die Schiffe eine begrenzende maximal zugelassene Passagierzahl, in die auch ?Deckspassagiere? hineinzählen, und zum anderen müssen ?Deckspassagiere? bei schlechtem Wetter dann eben doch nach innen geholt werden.
• Kurzfristige Routenänderungen: Längere Schiffstouren auf Spitzbergen passen ihre Route von Tag zu Tag spontan den aktuellen Verhältnissen (Eis, Wind, Nebel, etc.) an - eine Verpflichtung, einen bestimmten Punkt in die Route einzubauen, macht die Planung komplizierter und geht eventuell auf Kosten des Reiseerlebnisses der übrigen Passagiere. Je schwieriger/unsicherer der von Ihnen gewünschte Punkt erreichbar ist, desto geringer die Bereitschaft des Veranstalters, eine entsprechende Zusage zu machen.

Vereinbartes Abholen an abgelegenen Orten ist für die Veranstalter ein besonders heißes Eisen, weil dies unter ungünstigen Bedingungen für die restlichen Passagiere eine unzumutbare Beeinträchtigung der Reise bedeuten kann (zeitraubender Kampf mit Eis, Warten auf ruhigere See für Landemanöver, etc.) oder gar für das Schiff dann unmöglich ist (Blockade durch Eis, etc.) und sich der Veranstalter dann leicht Gefährdungs-, Haftungs- und Regressproblemen ausgesetzt sieht. Daher Abholungen im fernen Gelände möglichst nicht einplanen, etwa durch Routenwahl, die stattdessen in einer Siedlung endet.

Für Projekte in abgelegenen Teilen Spitzbergens kann daher eventuell die teure Vollcharter eines kompletten Bootes für den benötigten Zeitraum die einzige Lösung sein, was hinsichtlich der Kosten die Frage nahe legt, ob das Projekt wirklich in einem so abgelegenen Bereich stattfinden muss. Als Anhaltspunkt: Die Charter eines kleinen, für diese Gewässer ausgerüsteten Bootes mit 6-8 Plätzen geht einschließlich Crew und Treibstoff in Richtung € 1.000 pro Tag und wenn schwierigere Eisverhältnisse zu erwarten sind, werden größere, eisgängigere Fahrzeuge benötigt, die um ein Vielfaches teurer sind.

Im Gegensatz zu z.B. Grönland gibt es keine einheimischen Fischerboote, die einen mal irgendwo hinbringen können, und die wenigen einheimischen privaten Sportboote dürfen keinen Passagiertransport betreiben.

 

Motorisierter Landverkehr
ist nur auf den offiziellen Straß
en gestattet. Fahrzeugeigner in Longyearbyen müssen eine Nutzungsgebühr für das Wegenetz und die Elektroanschlüsse der Motorenwärmer an die Kommunalbetriebe bezahlen. Für Touristen kommen in Longyearbyen die beiden Taxis in Frage, deren Preise für deutsche Verhältnisse allerdings gesalzen sind, oder man nimmt sich einen Mietwagen
bei einer der Firmen in Longyearbyen.
• Arctic Autorent AS, Postboks 184, N-9171 Longyearbyen (Telefon 79027050)
Longyearbyen Bilutleie (Hertz), Postboks 63, N-9171 Longyearbyen, (Telefon
79021188)
Der Aktionsradius der Fahrzeuge ist auf das sehr bescheidene Wegenetz Longyearbyens begrenzt, da es keine Straß
enverbindungen zwischen den verschiedenen Teilen Spitzbergens gibt. Unmittelbar am Siedlungsrand beginnt völlig wegloses, bergiges, arktisches Gelände, von einzelnen Zufahrten zu Gruben etc. abgesehen.
Der Gebrauch motorisierter Fahrzeuge abseits der gegebenen Fahrwege ist zum Schutze der empfindlichen Vegetation verboten. Offroadfahrzeuge braucht also niemand nach Spitzbergen mitzunehmen. Eine Ausnahme wird lediglich bei Motorschlitten und anderen WinterKettenfahrzeugen gemacht, die sich in den hierfür freigegebenen Gebieten auf schneebedecktem und gefrorenem Boden bewegen dürfen (siehe Kartenskizze Seite 207).

Seit 1994 gilt die norwegische Straßenverkehrsordnung auch auf Spitzbergen einschließlich lysplikt (Fahren mit Licht) und belteplikt (Gurtpflicht). Die Pkw-Führerscheine des Heimatlandes werden anerkannt.

Tanken: Kfz können in Longyearbyen an der Tankstelle im Hafengebiet betankt werden, Besucher mit Mietwagen sollten hierzu zu den Öffnungszeiten (7 Mo bis Fr 9:00 bis 16:00) erscheinen, da sich die Zapfsäulen außerhalb der Öffnungszeiten nur mit einer Bank-Chipkarte bedienen lassen.

Motorschlitten:
Siehe hierzu auch > Motorschlitten ab Seite 428. Im Winter gibt es die Möglichkeit, Motorschlitten zu mieten und damit die Siedlungen zu verlassen. Dies ist bei den Einwohnern beliebt, vergleichbar mit einem Sonntagsausflug per Auto bei uns (> Reisemöglichkeiten, Motorschlittentouren). An Wochenenden und Feiertagen von Mitte März bis Anfang Mai kann es sogar schwierig werden, überhaupt ein Fahrzeug zu bekommen, da dann neben vor allem norwegischen Touristen auch die norwegischen Freunde der Einheimischen zu Besuch sind und alles ausgebucht ist. Aufgrund der Bestimmungen von 2002/03 ist der Bereich für touristische Motorschlittentouren ohne Tourenführer stark eingegrenzt worden - im Wesentlichen das Nordenskiöldland, Bünsow Land und südliches Dickson Land bis ca. 78?50’ - allerdings ohne die beiden motorschlittenfreien Gebiete im Nordenskiöld Land (siehe Karte im Kapitel Reisemöglichkeiten – Motorschlitten auf Seite 207), mit Tourenführer ist der Bereich etwas größer.
Die Motorschlittensaison hängt von den Schneeverhältnissen ab - ganz Fanatische sind eventuell schon beim ersten dicker liegenbleibenden Schnee im Oktober unterwegs, und irgendwann in der Regel im Mai setzt dann die Schneeschmelze ein Ende. Siehe hierzu auch > Motorschlitten ab Seite 428.

 

Bus:
Trotz der weit gestreuten Bauweise Longyearbyens gibt es für Besucher
keine Busverbindungen mit Ausnahme des Flughafenbusses, der zu den Flügen zwischen Flughafen und Ort verkehrt, also ca. zweimal pro Tag, Fahrpreis ca. NOK 40 (2009).

 

Fahrräder:
Für
Fahrräder kommen auf Spitzbergen nur die wenigen Kilometer des Straßennetzes von Longyearbyen in Frage. Hier ist ein Rad bei längeren Aufenthalten angesichts der innerörtlichen Entfernungen nützlich, insbesondere seitdem durch die Teerung der meisten Wege der Schlamm kein so großes Problem mehr ist. Geblieben ist der Wind.
Der Gebrauch von Mountainbikes abseits der Wege wird wegen möglicher Schäden an der sehr empfindlichen Vegetation ungern gesehen. Ein Verbot wird erwogen (> Naturschutz) bzw. ist in den neuen Nationalparks bereits eingeführt. Fahrradfahren ist im übrigen angesichts der Geländebedingungen auch nicht besonders effizient (viel Morast, viel sehr grober Gesteinsschutt).
Fahrradvermietung in Longyearbyen (meist robuste Fünfgang-Mountainbikes oder Trekkingräder) bzw. für Campingplatzgäste einige alte Fahrräder auch auf Longyearbyen Camping.


Letzte Änderung: 12.09.2009